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Karin ,
21 Juni 2010
India
, Leh
11°
Unglaublich, wir sind in Ladakh! Ladakh ist eines der hoechstgelegenen bewohnten Gebiete der Erde. Die durchschnittliche Hoehe, auf der die besiedelten Taeler liegen, ist 3500 Meter. Gepraegt wird die Landschaft von hohen Bergketten (Himalaya, Karakorum), zerkluefteten Taelern, ein paar wenigen Fluessen und unzugaenglichen Hochplateaus.
Ladakh ist ein wunderschoenes Fleckchen Erde, das aufgrund seiner geographischen Lage strategisch aeusserst wichtig ist. Im Nordosten grenzt es an China (bzw. Tibet!), dessen Streben nach immer mehr Land und Macht unersaettlich scheint, im Nordwesten an Pakistan, das seit der Trennung von Indien im Jahr 1947 nach wie vor gerne Besitzansprueche im jetzigen Ladakh stellen wuerde, im Westen an Kashmir, dessen Beziehung zu Ladakh seit jeher unter Spannung steht, da das mehrheitlich buddhistische Ladakh dem ueberwiegend moslemischen Jammu und Kashmir politisch und verwaltungstechnisch unterstellt wurde, und im Sueden an die indischen Provinzen Himachal Pradesh und den Punjab. Aufgrund dieser diffizilen Lage sind in dieser "Pufferzone Ladakh" mehr als 30.000 Soldaten stationiert und viele Gebiete sind nur mit Sondergenehmigung erreichbar.
Zu diesen sogenannten Sperrgebieten gehoert auch das Nubra-VAlley, das wir gerade mit dem Jeep besucht haben. Ueber den hoechsten befahrbaren Pass der Welt (Khardong-Pass mit 5.606 m) - auf welchem selbstverstaendlich Unmengen an Soldaten stationiert sind - gelangen wir durch wildes Schneegestoeber (!) hinunter in ein Tal mit Kloestern, Rosenbueschen, heissen Quellen, Sandduenen und Kamelen. Bald stossen wir allerdings an unsere Grenzen. Nachdem der Pass fuer die Rueckreise durch Lawinenabgaenge unpassierbar ist und wir somit im Nubra-Valley festsitzen, fahren wir zu einer leider als Waschplatz missbrauchten und somit voellig vermuellten heissen Quelle. Die Strasse wuerde noch weiter ins Tal fuehren, aber ab dem Ort Panamik ist komplettes Sperrgebiet. Ohne uns dessen bewusst zu sein, befinden wir uns also am noerdlichsten erreichbaren Punkt Indiens. Knapp 2 Wochen zuvor waren wir noch an der suedlichsten Spitze Indiens! Echt unglaublich!

Einen Tag spaeter als geplant kommen wir voellig verdreckt, nach einer warmen Dusche und einem weichen Bett lechzend (wir waren mit Zelt + Schlafsack unterwegs) in Leh an. Am darauffolgenden Tag geht's ab ins naechste Sperrgebiet, die Changtang-Ebene. Der groesste Teil dieser Hochebene (Durchschnittshoehe 4500 m = recht frisch) liegt auf tibetischem Gebiet, ausserdem sind 38.000 Quadratmeter des ladakhischen Gebietes unrechtmaessig von China besetzt. Es ist wirklich traurig, was sich China alles ohne jegliche Konsequenzen bzw. oft sogar ohne jegliches Wissen oder Interesse der restlichen Welt erlauben darf!
Ladakh hat also allen Grund, sich von chinesischer Seite bedroht zu fuehlen und wir Touristen merken das an der ueberall offensichtlichen Militaerpraesenz. Checkpoint hier, Sperre da, Ausweichen und Abwarten wegen eines Militaerkonvoys und Durchqueren ganzer Militaerbasen mit Slogans wie "Guts, Glory and Sacrifice", "Fight to win" und aehnlichem. Die Athmosphaere kann durchaus als "interessant" bezeichnet werden, da die Soldaten zwar im Grossen und Ganzen sehr freundlich sind und immerhin fuer die Befahrbarkeit der Strassen und waghalsigen Brueckenkonstruktionen sorgen, man sich auf der anderen Seite allerdings immer wie ein staendig beobachteter Eindringling fuehlt.
Da ist man froh, im beruhigenden Schoss des tibetischen Buddhismus Zuflucht zu finden und sich von gemurmelten Gebeten, Raeucherstaebchenduft und wirbelnden Gebetsmuehlen einlussen zu lassen. Ueberhaupt ist der Buddhismus hier allgegenwaertig. Bunte Gebetsfahnen an allen erdenklichen Stellen, abenteuerlich an Felsen geklebte Kloester, ueber das Land verstreute Lhadhos (Steinhaufen, an denen die guten Geister und Schutzgoetter einkehren sollen), Gebetsmauern mit unzaehligen kunstvoll gravierten Steintaefelchen, Gebetsmuehlen in allen Groessen und Farben und vieles vieles mehr. Und das alles in einer atemberaubend schoenen Natur. Tuerkisblaue, eiskalte Seen wie der Tsomoriri-See in Changtang sind von wilden Tieren wie Bergziegen, Yaks, Wildeseln, Murmeltieren und zahlreichen Vogelarten umgeben. Wenn man Glueck hat, sieht man sogar Nomaden, die entweder mit ihren Schaf- oder Ziegenherden herumziehen oder gerade ihr Zeltlager auf- oder abbauen.
Inzwischen waren wir auch endlich mit der Enfield unterwegs. Zu Klausis Enttaeuschung allerdings leider nicht mit einer Bullet, sondern "nur" mit einer Thunderbird. Ueberhaupt gestaltete es sich recht schwierig, ein strassentaugliches Gefaehrt in Leh aufzutreiben. Bei der ersten flog uns gleich der Kickstarter um die Ohren, die naechste wollte erst gar nicht laufen und so weiter und so fort. Unser gutes Stueck hat nun die in Indien wirklich lebensnotwendige funktionierende Hupe und der Kickstarter faellt nur bei jedem 3. Kick ab. Da kann man schon darueber hinwegsehen, dass von den Anzeigen statt den wichtigeren wie Tacho, km-Zaehler und Tankanzeige nur der Tourenzaehler funktioniert.
Da Bilder (Videos) mehr sagen als Worte hier nur ein paar kurze Stichworte zu den wunderbaren letzten Tagen mit der Enfield: traumhaft blauer Himmel mit Schaefchenwolken, kurvige meistens gute Strassen, wenn auch manchmal ohne jegliche Vorwarnung unterbrochen durch riesige Loecher, gar ganze fehlende Stuecke der Fahrbahn oder Geroellhaufen, bezaubernde, faszinierende Landschaft (von saftig gruenen sich im Wind wiegenden Getreideaehren bis hin zu kargen, wuestenartigen Landstrichen), sich unten in den Schluchten dahinwindende Fluesse, wild an Felsen gehaengte Kloester mit Riesenbuddhas, Moenche in allen Varianten, Staende mit den verschiedensten ladakhischen Handwerkskuensten, Einheimische in ihren eigentuemlichen Gewaendern bei der Feldarbeit, eine Horde nackter Kinder beim froehlichen Baden in einer dreckigen Pfuetze am Strassenrand und vieles vieles mehr. Aber ich will euch nicht langweilen, spannendere Berichte MIT Bildern gibt's dann zuhause! Inzwischen ganz liebe Gruesse, Karin.
PS: Buchtipp "Land ohne Horizont" von Michel Peissel
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21 Juni 2010
aber auch da gibt`s Internet, unglaublich, oder Gott sei Dank oder ...
22 Juni 2010
@ Kobi: ja, wahrlich unglaublich, wenn's auch nur manchmal und nur sehr unzuverlaessig funktioniert, wie der strom hier
. gestern hat's das erste mal nach tagen wieder funktioniert und heute gleich nochmal. das muesste man feiern ;D
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